Musicologica Olomucensia 10 (2009)

Mark Fitzgerald

NEUE MUSIK, ALTE MUSIK, NEUERE MUSIK: DIE KLANGPALETTE VON KÖLN AM RHEIN IN DEN SPÄTEN SIEBZIGER JAHREN DES ZWANZIGSTEN JAHRHUNDERTS

Der englische Komponist und Musikwissenschaftler Christopher Fox publizierte im Jahre 2007 einen Artikel, in dem er die „Kölner Schule“ als eine Gruppe von Komponisten beschrieb, die sich vor allem aus Persönlichkeiten zusammensetzte, die in den siebziger Jahren bei Karlheinz Stockhausen studierten. Diese Studie überprüft die Kriterien, die Fox zum Zweck der Bezeichnung einer Zusammengehörigkeit von Walter Zimmermann, Kevin Volans, Clarence Barlow und Gerald Barry und Zugehörigkeit zu einer Schule verwendet hat. Er stellte wichtige Zusammenhänge nicht nur unter diesen Komponisten, sondern auch im Bezug auf deren Zeitgenossen, wie zum Beispiel Claude Vivier und Chris Newman, fest. Der Autor analysierte das Manifest „der Gesellschaft für neuere Musik“, konzipiert von Volans, Newman und Barry, und machte auf die Tatsache aufmerksam, dass dieses Manifest verschiedene charakteristische Züge dieser Komponisten deutlich machte, unbeschadet davon, dass es ursprünglich als eine satirische Kritik der in Köln am Rhein vorherrschenden Atmosphäre verfasst wurde. Damit verbunden schlug der Autor eine umfassendere Definition von ästhetischen Positionen der oben genannten Komponisten vor. Schließlich betonte er die grundsätzliche Bedeutung der Musik von Morton Feldman und weiterer Komponisten der New York School für die Entwicklung von kompositorischen Möglichkeiten der genannten jungen Komponisten in Köln am Rhein.

Greg Hurworth

DIE MUSIK-ETHNOGRAFIE IN MARAMUREŞ: FELDFORSCHUNG AUF DEN SPUREN VON BÉLA BARTÓK

Der Beitrag setzt sich mit dem Vermitteln von Kompetenzen für eine Feldforschung im Bereich der Ethno-Musikwissenschaft auseinander. Der Autor beschäftigte sich mit dieser Problematik im Rahmen der Leitung des Faches „Methoden in der Ethno-Musikwissenschaft“ im Bachelor-Studiengang am Lehrstuhl für Musikwissenschaft der Palacký-Universität in Olomouc in der Tschechischen Republik. Der Autor traf die Entscheidung, die Studenten mit hinaus vor Ort zu nehmen und zu versuchen, die Daten direkt dort an Ort und Stelle zu sammeln. Es handelte sich um ein pädagogisches Experiment, dessen Ziel es war, den zukünftigen Musikwissenschaftlern praktische Erfahrungen und Kenntnisse hinsichtlich der Datensammlung an Ort und Stelle zu vermitteln und ihnen den Sachverstand in diesem Bereich zu eröffnen.

Die Studenten entschieden sich, zusammen mit dem Vortragenden den Spuren von Béla Bartók in den rumänischen Kreis Maramureş, der in Bartóks Zeit ein Teil von Ungarn war, zu folgen. Sie beabsichtigten, möglichst viele Informationen über Bartóks Methoden der Datensammlung zu bekommen und die Gemeinden, in denen Bartók vor hundert Jahren arbeitete, zu besuchen. Ein weiteres Ziel des Projektes bestand in der Feststellung, ob in diesen Regionen noch etwas, was an die Musik und den Musikstil aus Bartóks Zeit erinnert, erhalten geblieben ist sowie in dem Vergleich der gesammelten Daten mit denen von Bartók.

Der Beitrag beschreibt einige Gedankenprozesse, die sich im Verlaufe der Gestaltung dieses experimentalen Projektes entwickelten und stellt auch den Ablauf des Projektes und dessen Auswertung dar. Der Text wurde mit einer kurzen Analyse von vier Liedern und mit einer Beschreibung mehrerer, von den Studenten während ihrer Arbeit im März 2008 gefundenen, Instrumente abgeschlossen. Diese Angaben wurden dann mit den eigentlichen Erkenntnissen Bartóks, die im fünften Teil seiner Musik in Rumänien veröffentlicht wurden, verglichen.

Marek Keprt

STRUCTURE OF CHORDS IN COMPOSITIONS OF SCRIABIN’S MIDDLE PERIOD

The study deals with the structure of chords in Scriabin’s middle period, comprising the years 1903–1910 and bounded by compositions op. 30–58. First the Promethean chord is treated as the final stage in the preceding development of the composer’s harmonious speech and the varieties of the theoretical interpretation of this chord are discussed. Next, the tendencies leading to it are gradually analyzed. The most significant alterations are those of the pure fifth in the dominant sixth chord and the great dominant ninth chord. These changes are done in two ways. The first is the replacement of the dominant pure fifth by neighbouring melodious tones of the enlarged fourth, or the small or great sixth, while the great sixth plays the key role. The second way is alteration of the dominant fifth either down or up or in both directions at the same time (double alteration). Other tendencies are the raising of thirds above the dominant ninth chord while omitting its fifths and thirds, or a change of the thirds to the fourths in dominant harmony. Finally there is a transposition of these altered dominant chord structures to the rest of the degrees and functions. A special case is the bifunctional combination of dominant and tonic functionality and subdominant-tonic functionality.

Jiří Kopecký

DIE OPER ŠÁRKA VON ZDENĚK FIBICH

Die Entstehung der Oper Šárka (1896–1897) von Zdeněk Fibich ist in eine Lebensphase gefallen, die auf einem ersten Blick keine Schaffung des gegen die Zeit widerstandsfähigen Kunstwertes garantiert hat. Eine gespannte Familieathmosphäre kulminierte und Fibich hat seine Gattin und seinen Sohn verlassen, er versuchte die Beziehung mit seiner Librettistin Anežka Schulzová legitimisieren. Fibich hat diese Oper nach den Regeln des von Prager National Theater verkündeten Wettbewerbes geschrieben, deswegen musste er bestimmte Begrenzungen annehmen. Der Autor der auf antische Stoffe (die Oper Die Braut von Messina, Librettist O. Hostinský nach F. Schiller, die Trilogie der szenischen Melodramen Hippodamie nach dem Text J. Vrchlickýs) und auf weltberühmte Fabeln (die Oper Der Sturm, Librettist J. Vrchlický nach W. Shakespeare, die Oper Hedy, Librettistin A. Schulzová nach Lord Byron) geschaffenen musikdramatischen Werke hat sich gezwungen ein tschechisches Sujet zu akzeptieren. Der Mangel an der Zeit und ein psychischer als auch sozialer Drang auf einer Seite und eine reiche künstlerische Erfahrung des Komponisten und der Librettistin und ein Hinterhalt in störungsfreien Lösungen sowohl in etablierten Vorbildern (das Prinzip der Symmetrie und des Kontrasts, B. Smetana, R. Wagner) auf der anderen führten zum Entstehen des Werkes, das im Rahmen der Gemeinschöpfung Fibichs die Stellung einer der im Repertoire stabilen Kompositionen erobert hat.

Markéta Koptová

ALMA MAHLER – A WOMAN, ARTIST, MUSE: FROM THE LIFE OF A FEMME FATALE

Alma Mahler was ranked among the most expressive people of the turn of the 19th and 20th century. She was revered as a woman and as a Muse but she was cursed, too. She was born to an artistic family, where she obtained the basic orientation in Arts and could study music. Thanks to a plentiful cultural life and the salon conducted by her mother, she met the most interesting people of this time. When she married Gustav Mahler, she joined the musical elite, where she stayed the whole life. The life of Alma Mahler is characterized by the marriage with Gustav Mahler, Walter Gropius and Franz Werfel, by many emotional flare-ups, inconsistent behaviour, intensive anti-Semitism, and other events in her long life. For a lot of contemporaries and followers Alma Mahler was a Muse and a woman of their dreams. An important period of her life was her composing, too. This article tries to give an objective view of this original woman.

Václav Kramář

MUSIKALISCHES WERK – DIE MUSIKALISCH-ÄSTHETISCHE SOWIE DIE RECHTLICHE AUFFASSUNG: ZU DEM VERFASSUNGSRECHTLICHEN SCHUTZ EINES MUSIKWERKES IM ZUSAMMENHANG MIT DEN ÄNDERUNGEN DES MUSIKALISCHEN PARADIGMAS UND MIT DEM FORTSCHRITT DER TECHNOLOGIE

Wir versuchten, die Nuancen im unterschiedlichen Verständnis der Definition eines Kunstwerkes im Bereich der Musikwissenschaft und des Rechtes herauszufinden. Auf Grund der musikalischen Ästhetik legten wir folgende grundlegende Kriterien für die Beurteilung von musikalischen Werken fest: die Intentionalität eines Kunstobjektes, die Existenz einer Eintragung seiner Struktur (in Form einer Notenschrift oder einer Tonaufnahme), die Komponiertheit (respektive die Bindung an einen Autor), die Beständigkeit – Geschlossenheit in der Zeit und die Individualität einer solchen Erscheinung (Unwiederholbarkeit, Einzigartigkeit).

In der tschechischen rechtlichen Regelung findet man die Definition für die Kriterien der Kunstwerke im §2 des Urhebergesetzes. Es geht hier um ein Ergebnis der kreativen Tätigkeit eines Autors, um die Einzigartigkeit des Werkes, seine Darbietung in jedweder mit den Sinnen wahrnehmbaren Gestalt (auch vorübergehend, nicht beständig), mit der Ambition einer künstlerischen Wirkung, wobei dieses Werk gleichzeitig nicht aus dem urheberrechtlichen Schutz ausgeschlossen ist (zum Beispiel ein abschließend definiertes amtliches Werk oder Produkt der traditionellen Volkskultur, falls der Name des Autors nicht allgemein bekannt ist).

Unterschiede stellen wir im Charakter des geschützten Objektes fest – das Recht versteht als Kunstwerk auch einmalige und improvisierte Erscheinungen, als Bedingungen erwartet man lediglich deren künstlerische Ambition und wenigstens eine Aufführung. Es ist dabei sogar noch nicht einmal die Fixierung in Form einer Notenschrift oder einer Tonaufnahme erforderlich. Aus der urheberrechtlichen Auffassung wurden auch qualitative Hilfskriterien gestrichen (aus der Sicht der Musikästhetik gelten auch ein „Nicht-Werk“, eventuell ein Teil eines musikalischen Artefakts als ein musikalisches Werk). Als schwierig erweisen sich moderne Kompositionsverfahren, bei denen der Anspruch der Einzigartigkeit einer konkreten Komposition nicht genügend eingehalten wird (dabei ist das Urheberrecht mit der musikalisch ästhetischen Sicht jedoch identisch). Auch der wachsende und sich immer weiter differenzierende Bereich der nicht-artifiziellen Musik erschwert eine eindeutige Beurteilung der Kriterien einzelner künstlerischer Leistungen. Schrittweise gehen die Grenzen zwischen der artifiziellen und nicht-artifiziellen Musik verloren. Es ergeben sich ebenfalls neue Fragen im Zusammenhang mit dem technischen Fortschritt der Aufnahmetechnik, der Digitalisierung, sowie dem Sampeln (bewusste Verwendung eines Teiles einer fremden Komposition, es reicht auch eine bloße spezifische Tonfarbe – so genannter Sound). Es stellt sich die Frage, ob dann wirklich alle musikalischen Komponenten und Seiten eines konkreten Werks in gleichem Maße geschützt sind und ob ein Werk der artifiziellen Musik genauso wie ein Werk der nicht-artifiziellen Musik zu beurteilen ist. Die Musiktheorie, die Ästhetik sowie die Rechtstheorie sollten sich in der nahen Zukunft mit allen diesen relativ neuen Phänomenen auseinandersetzen und den Begriff „das Musikwerk“ theoretisch exakter definieren.

Markéta Kratochvílová

MUSIK UNTER DER SCHICHT DER IDEOLOGIE: DIE ENTWICKLUNG DER REZEPTION DES SCHAFFENSWERKES VON OTAKAR OSTRČIL

Gegenstand der vorliegenden Studie ist einerseits die Entwicklungsgeschichte der Rezeption des Werkes von Otakar Ostrčil als Komponist, andererseits sind es die Einflüsse, von denen die Rezeption im Laufe des 20. Jahrhunderts geprägt wurde. Otakar Ostrčil (1879–1935) war tschechischer Komponist, Dirigent und Organisator des musikalischen Lebens. Seine Ära im Nationaltheater, wo er fünfzehn Jahre lang die Stellung des Operndirektors innehatte, zeichnete sich durch systematische Dramaturgie und gleichzeitigen Aufschwung der tschechischen Operninterpretation aus. Von großer Bedeutung war sein kompositorisches Interesse, das vor allem dem Gebiet der Oper und der symphonischen Werke galt. Bei der Ermittlung des Stellenwertes der Musik von Ostrčil in der tschechischen Kultur und der musikalischen Fachliteratur kamen nicht selten auch außermusikalische, ideologische bzw. politische Aspekte zur Geltung, man wollte in seinen Kompositionen verschiedene Bedeutungen bzw. Motivationen gefunden haben. In einigen Auslegungen standen jeweils die subjektiven Wünsche und Einstellungen der Interpreten im Vordergrund. Insbesondere heutzutage muten ihre Deutungen einigermaßen zugespitzt an, als Aussagen, die ihrer Zeit verpflichtet sind und eher von den Verfassern zeugen als von der Musik dieses Komponisten selbst. Der Ton, der die Debatten über das Œuvre Ostrčils in nicht unwesentlichem Maße beherrschte, wurde von Zdeněk Nejedlý, der zeitgenössischen Autorität im kulturellen Leben mit späterem politischem Einfluss, angegeben.

Lenka Křupková

WHY THE MAKROPULOS CASE IS MOST POPULAR WITH THE ANGLO-SAXONS? A PROBE INTO THE RECEPTION OF JANÁČEK’S OPERA IN GERMANY, ENGLAND AND THE USA

The author registers the assessment of the opera The Makropulos Case by Leoš Janáček since its foreign premiere up to the present day, as it is reflected in German and English reviews. From their study the specific features of German and Anglo-Saxon reception of Janáček are established. The criticism shows that German audiences have always been somewhat reserved toward Janáček, and to this day it is a problem to keep The Makropulos Case on the repertoire of German opera houses. On the other hand, English reviews are more positive, in Great Britain and particularly in the USA this opera is accepted as an interesting, very attractive work of the 20th century. The special theme and its rendering by Janáček may make it difficult both for those who stage it as well as for the audiences, but no one has doubts about its quality and its force on the stage.

Ivan Poledňák

EIN MUSIKWISSENSCHAFTLER UND ÄSTHETIKER IM LABYRINTH DER POLITIK UND DER IDEOLOGIE: ANTONÍN SYCHRA

Die Studie beschäftigt sich mit der Persönlichkeit von Antonín Sychra (1918–1969). Sychra gehörte und gehört zu den bedeutenden und unvergesslichen Persönlichkeiten der tschechischen Musikwissenschaft und Ästhetik in der Mitte des 20. Jahrhunderts. Er war eine ausgesprochen symptomatische und symbolische Persönlichkeit für die gegebene Zeit und für die politische Situation sowie für die in den tschechischen gesellschafts- und kunstorientierten Wissenschaften ablaufenden Prozesse. Sychra schuf ein sehr umfangreiches und in vielerlei Hinsicht anregendes wissenschaftliches Werk, welches aber im Bewusstsein der breiteren sowie der fachlichen Öffentlichkeit in bedeutendem Maße von ideologischen Aspekten seiner Tätigkeit überlagert wird. Er gehörte nämlich zu den Persönlichkeiten, die in der tschechoslowakischen Kultur und Wissenschaft in der Zeit nach der kommunistischen Wende im Jahre 1948 das Regime und dessen Ideologie repräsentierten und dessen Kunstverständnis propagierten. Sychra hatte Musikwissenschaft und Ästhetik zuerst an der Masaryk-Universität in Brno und dann an der Karlsuniversität in Prag studiert. Zu seinen Lehrern hatte der renommierte Musikwissenschaftler Vladimír Helfert und der führende Ästhetiker Jan Mukařovský gehört. Er verteidigte seine Dissertation in Form einer statistisch orientierten Schrift mit dem Titel Musik und Wort im Volkslied. Nach der Wende im Jahre 1948 begann er eine engagierte publizistische Tätigkeit zu entfalten, in der sich seine revolutionäre Begeisterung sowie seine Ambitionen niederschlugen. Er wurde ein bedeutender Funktionär des Verbandes der tschechoslowakischen Komponisten und veröffentlichte Aufsätze und Referate in der Verbandszeitschrift Hudební rozhledy (Musikrundschau), in denen er die Tätigkeit dieser Organisation sowie die Richtung des Geschehens in der Kunst sowie in den Kunstwissenschaften darlegte. Seine Veröffentlichungen fasste er in den Publikationen Die parteiliche Musikkritik – ein Mitgestalter der neuen Musik. Die Einleitung in die Musikästhetik des sozialistischen Realismus (1951) und Über Musik von Morgen (1952) zusammen. Auch seine Karriere als Pädagoge und Wissenschaftler entwickelte sich in schnellen Schritten: Im Jahre 1951 wurde er zum Professoren ernannt (er war an dem Lehrstuhl für Musikwissenschaft und dann auch Ästhetik tätig). Als einer der ersten Mitarbeiter erwarb er den neu eingeführten höchsten Titel für Wissenschaftler, nämlich DrSc., und zwar mit seinem umfangreichen Werk Antonín Dvořák: Zur Ästhetik seines sinfonischen Schaffens (1959, auf deutsch erschien im Jahre 1972), dem auch die wissenschaftliche Richtung seiner musikwissenschaftlichen und ästhetischen Arbeit zu entnehmen ist. In einer weiteren Etappe seiner Tätigkeit stellte Sychra, der die Ergebnisse seiner Arbeit auch auf internationalen wissenschaftlichen Kongressen präsentierte, insbesondere die Publikationen Musik und Wort aus experimentaler Sicht (1962) und Musik mit den Augen der Wissenschaft gesehen (1965) vor. In einer Reihe von Studien, die in dem zusammenfassenden Werk Musik und Realität (postum, 1990, es erschien ein Teil Impressionismus und Expression in der Musik) herausgegeben werden sollten, beschäftigte er sich neben anderem mit der Musik von Leoš Janáček, mit der neueren Musik (einschließlich Pop-Musik), mit Musikerziehung (ästhetischer Erziehung) und war dabei bemüht, seine früheren strukturalistischen Ansätze hervorzuheben, ohne auf seine marxistischen Ausgangspunkte ausdrücklich zu verzichten. Er hatte auch vor, neue, mit der musikalischen Semiotik und Informationstheorie verbundene, Möglichkeiten zu nutzen. Er starb früh, durch Multiple-Sklerose ans Bett gefesselt. Seine Bibliographie verfasste Miloš Jůzl, ein ihn betreffendes Stichwort im Internetprojekt www.musicologica.cz/slovnik stammt von dem Autor dieses Beitrages.

Jan Vičar

IM ANDENKEN AN IVAN POLEDŇÁK

Prof. PhDr. Ivan Poledňák, DrSc. (31. Dezember 1931, Velké Meziříčí – 5. Oktober 2009, Prag) war eine bedeutende Persönlichkeit der tschechischen und darüber hinaus der europäischen Musikwissenschaft der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Dies lässt sich an seinem aus mehreren Dutzend Buchpublikationen und Hunderten von Studien und Artikeln bestehenden wissenschaftlichen Schaffenswerk erkennen, das sich um Themen aus den Bereichen Musikpädagogik, Psychologie, Ästhetik, Semiotik sowie Theorie und Geschichte der Pop- und Jazz-Musik dreht. Er verfasste auch Lexikographien und monographische Abhandlungen über wichtige musikalische Persönlichkeiten. Seine in Druck gegebenen Texte werden noch viele Monate nach seinem unerwarteten Ableben erscheinen. Neben anderem gehört dazu auch die Studie „Ein Musikwissenschaftler und Ästhetiker im Labyrinth der Politik und der Ideologie: Antonín Sychra,“ die er für diesen zehnten Band von AUPO Musicologica Olomucensia verfasste.

Martina Stratilková

DIE TRADITION HUSSERLS IN DER KONZEPTIONEN DER MUSIKALISCHEN ZEIT

Phänomenologie des inneren Zeitbewusstseins, die von Edmund Husserl verarbeitet wurde, nimmt eine ehrenvolle Stelle in der philosophischen Literatur ein. Sie versucht die grosse Veränderlichkeit der Erlebnisse, die die Umwelt in uns erweckt, zu ordnen. Die Reaktion, die in der Literatur über Musik als einer Zeitkunst erzielt wurde, ist völlig verständlich (trotzdem aber noch nicht genügend). Meine Studie bemüht sich die Konzeptionen der musikalischen Zeit, die in der musikphänomenologischen Literatur zu Grundbeiträgen wurden, zu beurteilen. Die Theorien von Alfred Schütz, David Lewin und Juda Lochhead führen diese Akzente aus – eine organische Anknüpfung an Husserl und Festlegungen der Zeitspezifität, eine detaillierte Beschreibung der Wahrnehmungsmusikqualitäten in ihrer komplizierten Verknüpfung, Zeitausprägung von umfangreichen Musikflächen und eine mehrdimensionale Einstellung. Alle diese Theorien vervollständigen sich in Erfassung der subjektiv empfindenden Zeit und weisen auf Begrenzungen des phänomenologischen Diskurses über die Musikzeit hin.

Jan Vičar

AUS DEM MÄHRISCHEN ZAUCHTENTHAL (SUCHDOL NAD ODROU) ÜBER DAS DEUTSCHE HERRNHUT ZU AMERIKANISCHEN INDIANERN: ÜBER DEN URSPRUNG DER BLECHBLASMUSIK BEI AMERIKANISCHEN MÄHRERN

Die Studie, die an einen im Jahre 2002 in der Zeitschrift Opus musicum publizierten Artikel anknüpft, beschäftigt sich mit den kulturellen mährischen und böhmischen Wurzeln der Musik amerikanischer Mährer, die ab den vierziger Jahren des 18. Jahrhunderts von Herrenhut in der Oberlausitz nach Pennsylvania und Nord Carolina gelangten. Eine besondere Aufmerksamkeit wurde den Blechblasinstrumenten gewidmet, insbesondere den Posaunen, die im Leben der mährischen Kommunität, aber auch im Rahmen der Missionstätigkeit unter Indianern, eine besondere Rolle spielten. Es werden dabei auch wichtige Persönlichkeiten, die aus Zauchtenthal stammen, darunter zum Beispiel der berühmteste Missionär der mährischen Kirche David Zeisberger (1721–1808), erwähnt.

Eva Vičarová

ST WENCESLAS CATHEDRAL IN OLOMOUC – THE ARCHBISHOP’S SANCTUARY AND THE CENTRE OF CYRILIAN REFORM

The history of the music in the Cathedral of St Wenceslas in Olomouc is several hundred years long. The golden age was the 17th and 18th centuries. Information on the first half of the 19th century is still scarce. References in literature are found to Dominik Pillhatsch of Dvorce and Mořic Kunert. After them the choir declined. Pavel Křížkovský as choir leader (1872–1873, 1874–1883) pushed through the Cecilian reform and reorganized the cathedral staff. Josef Nešvera was at the head of the choir for thirty years (1884–1914) and his reforming efforts followed upon those of his predecessor. His era is marked by stabilization in organization as well as in the repertoire. Music in the Cathedral was of a high artistic standard again and was regarded as a model for the entire diocese. The quality of the music in the Cathedral when Antonín Petzold (1914–1931) was the Kapellmeister sank considerably due to the social and economic changes produced by the First World War. The frequent periods of illness of the choir leader are to blame too. The orchestra suffered by a crisis of the staff and the performances. The choir leader Gustav Pivoňka (1931–1975) succeeded in returning the cathedral choir to a good performing standard and maintained it even in the politically unfavourable fifties and sixties. The orchestra again filled all its functions. The dramaturgy was focused on contemporary Czech church music.

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