Musicologica Olomucensia 16 (2012)

Filip Hajdu

Mährische Philharmonie nach 1987

In den letzten 25 Jahren wirkten in der Mährischen Philharmonie mehrere bedeuteten Dirigenten, die die Richtung der Olomoucer künstlerischen Institution mitbestimmten. Stanislav Macura, Jiří Mikula, der erste ausländische Dirigent Jin Wang, František Preisler d. J. sowie der jetzige Chefdirigent Petr Vronský schufen wertvolle und interessante Vorstellungen, die nicht nur nach dem November 1989 beliebt wurden. In Olomouc traten mehrere ausgezeichneten einheimischen sowie ausländischen Künstler auf, die seit 2001 im rekonstruierten Reduta-Saal konzertieren. Aufgrund der Renovierung erhielt Olomouc ausgezeichnete akustische Räumlichkeiten. Die Philharmonie-Leitung mit dem Direktor Vladislav Kvapil bildete schrittweise mehrere Abonnement-Reihen und Veranstaltungen, die ein breites Spektrum des Musikschaffens mit dem Ziel der gröβten möglichen Zuhörer-Anzahl bildete. Mehrmals absolvierte das Orchester Konzerttourneen durch Europa und Asien, wobei es mit führenden Dirigenten zusammenarbeitete und so bekam es wertvolle Erfahrungen. Zurzeit nimmt die Mährische Philharmonie den vorderen Platz unter den tschechischen Orchestern ein, sie strebt nach der Erhöhung des künstlerischen Niveaus der Konzerte, sie hat eine konsolidierte und ausgeglichene Mitgliederbasis und sie bemüht sich, in die Konzertpraxis auch junge Künstler einzubeziehen.

The Moravian Philharmonic after 1987

Over the past twenty-five years, the Moravian Philharmonic has had many excellent chief conductors who have determined the artistic direction of this respected Olomouc institution. Stanislav Macura, Jiří Mikula, the first foreign chief conductor Jin Wang, František Preisler Jr. and the present chief conductor Petr Vronský have brought us interesting performances of considerable merit, which especially after November 1989 have aroused great public interest. In Olomouc several outstanding local and international artists have appeared, performing, since 2001 in the newly renovated Reduta concert hall, the reconstruction of which has won Olomouc a first-class acoustic space. Under the leadership of director Vladislav Kvapil, the Moravian Philharmonic has created several concert subscription series and programs, covering a broad range of musicmaking in order to reach as many listeners as possible. The orchestra has completed several concert tours in Europe and Asia too, collaborated with leading conductors and gained valuable experience. Today, the Moravian Philharmonic holds a leading position among Czech orchestras as it seeks to increase the artistic quality of its concerts. To this end, it has consolidated and artistically balanced its membership, maintaining a policy of engaging young concert performers.

Nors Sigurd Josephson

On Wagner’s Stylistic Imitations

Wagner’s adopted motifs, conceived in an interval-modal way, or quotations, may be seen as a fully modern stylistic feature because it is repeatedly found in the work of contemporary composers, such as Debussy, Stravinskij and Bartók. With the Bayreuth master we often feel as if pure inspiration was almost secondary because it seems to be subordinated to particular intervallic material. Similarly, Wagner’s increasing propensity for quoting himself, especially in works such as Die Meistersinger and Parsifal, can be understood as a pioneering act in relation to many modern composers, e. g. Gustav Mahler and Alban Berg, whose complex work formed an artistic unity. From this historical aspect Wagner’s whole work – in spite of its clear origin in German-French early Romanticism – appears to be an obviously more advanced, progressive predecessor of the modern style at the beginning of the 20th century.

Jitka Kocůrková

Die Orgelbaufirma Gebrüder Brauner in Uničov – ihre Spezifika und Bedeutung

Die Orgelbauanstalt der Gebrüder Brauner aus Uničov stellt unter anderen am Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts in Mähren tätigen Werkstätten gewissermaßen einen Einzelgänger dar. Die Einzigartigkeit der Orgeln der Firma Brauner wurde v. a. durch einen stark spezifischen Charakter deren Instrumentenproduktion geprägt. Die Firma war ihrerzeit ein modernes Unternehmen, das zwar nur einige Arbeiter beschäftigte, jedoch mit hochwertigem Maschinenbestand ausgestattet wurde, der die Nutzung von modernen Technologien erlaubte.

Die Instrumente der Orgelbauer Brauner ragten ihrerzeit durch technische Errungenschaften heraus, einige Erfindungen ließ sich die Firma patentieren. Die Konstruktionsinnovationen der Firma sind jedoch viel umfangreicher als die offiziell registrierten (patentierten) Erfindungen. Dank diesen außergewöhnlichen und sehr progressiven technischen Neuerungen stellte beinahe jedes Instrument der Firma ein einzigartiges Werk dar. Im Vergleich zu anderen Orgelbaufirmen (Gebrüder Rieger, Karel Neusser, Franz Kolb) kann man behaupten, dass die Firma Brauner wesentlich mehr mit Traktur, Windladen, Ausstattung von Spieltischen u. a. experimentierte. Die Kompliziertheit der einzelnen Teile der Orgel wirkte sich jedoch mit der Zeit negativ in größerer Störanfälligkeit Brauners Instrumente aus. Die Firma baute ihrerzeit konstruktiv hochwertige Instrumente mit charakteristischer Auswahl der Register. Einen unikaten Beweis ihrer Tätigkeit stellen die Orgel in Úsov oder in der Pilsner Synagoge dar, von Bedeutung ist auch z. B. die Rekonstruktion der berühmten Orgel F. Buckows in Wiener Kirche Maria Treu.

The Brauner Brothers organ builders in Uničov – their characteristics and importance

The Uničov organ builders, Brauner brothers enjoyed a unique position among organ makers active in late 19th century and early 20th century Moravia. Their uniqueness was mainly due to the strong instrument-specific nature of the company’s production. The company prided itself on being a modern enterprise which, though employing only a few workers, used the highest quality equipment and advanced production technology.

In their time, the Brauner Brothers excelled in technical refinements, and many of their inventions were patented. These patents are registered in Prague and Vienna. Companies with innovative design are far more extensive than those introducing technical innovations such as those of Brauner. Compared with other organ building firms (Gebrüder Rieger, Karel Neusser, Franz Kolb) Brauner experimented much more extensively with the moving parts of the instrument. With of the passage of time this complexity of individual parts of the organ, also led however, to a greater failure rate of Brauner Brothers instruments. At that time, the company built quality instruments designed with a distinctive selection of registers. Among the unique legacy of their activities are the organs in Úsov and the synagogue in Pilsen. A significant example of Brauner Bros. organ reconstruction is the celebrated instrument by F. Buckow in Vienna’s Church of Maria Treu.

Jiří Kopecký

Michael William Balfe on the Olomouc Operatic Scene

If we survey the history of theatre life in 19th‒century Olomouc, there is only a small number of directors who were able to lead their institution in a better way than was the case in other provincial scenes in the Austrian (Austro-Hungarian) monarchy. One of the most successful theatre entrepreneur in Olomouc was Friedrich Blum, who introduced into the repertoire new famous operas such as Verdi’s Rigoletto or one of the most challenging performance of the age, Meyerbeer’s Le Prophète. Among those compositions which were performed remarkably often, we encounter Balfe’s The Bohemian Girl. Blum obviously had a very good sense for successful works, moreover he engaged singers-/actors, who were perfectly matched to Balfe’s roles.

Michael William Balfe an der Olmützer Opernszene

Wenn wir die Geschichte des Theaters zu Olomouc im 19. Jahrhundert betrachten, sehen wir nur eine begrenzte Anzahl von Direktoren, denen es gelang, das Theaterbetrieb über andere Provinzszenen in Österreich bzw. in der Österreich-Ungarischen Monarchie zu erheben. Zu einem der fähigsten Theaterintendanten wurde Friedrich Blum, unter seiner Leitung kam es zu Premieren mehrerer Opern, die dann für eine lange Zeit ihren Sitz im Repertoire fanden (Verdi: Rigoletto) oder die zu den anspruchsvollsten Produktionen ihrer Zeit gehörten (Meyerbeer: Der Prophet). Merklich oft erschien an der Olomoucer Szene Balfes Zigeunerin, denn F. Blum schätzte gut die vom Publikum erfolgreich angenommenen Werke, dabei beschäftigte er auch Sänger/Schauspieler, die die Oper Balfes durchsetzen wussten.

Lenka Křupková

Theaterdirektoren und die Stadt Olomouc vom Ende der 70. Jahre des 19. Jahrhunderts bis 1920

Diese Studie analysiert Struktur des ökonomischen und künstlerischen Betriebs des deutschen Stadttheaters zu Olomouc. Zwischen der Stadt als dem Theater-Inhaber und deren Mieter-Theaterdirektoren existierte ein klar definiertes Verhältnis der Befugnisse sowie Pflichten. Die sind v. a. in Verträgen definiert, die die Stadt mit antretenden Theater direktoren abschloss. Das Interesse gilt der Zeit zwischen den 70. Jahren des 19. Jahrhunderts und dem Jahr 1920, wann diese ausschlieβlich deutsche Szene in tschechische Hände übergegeben wurde. In späterer Geschichte des deutschen Stadttheaters zu Olomouc kommt es zu markanter Verstärkung der Stellung der Stadt, v. a. seitdem der Direktor keine Miete fürs ausgeliehene Gebäude zu zahlen brauchte und einen großen Anteil der Betriebskosten die Stadt neu übernahm. Der Theaterdirektor verfügte nur über eine limitierte Schöpfungs- und Produktionsfreiheit, fast alles, was den Theaterbetrieb betraf, konnte er nur mit der Zustimmung der Stadt verwirklichen. Die Stadt und deren Vertreter wurden dann zur Rückkopplung fürs Theater und dessen Leitung, sie nahm an der Repertoireform sowie seiner Interpretation teil.

Theatre Directors and the City of Olomouc between 1878 and 1920

This study reveals the structure of the economic and artistic life of the German municipal theatre in Olomouc. Between the city as the owner of the theater and its tenants, the theatre directors, a relationship existed with clearly defined powers and duties. This was defined primarily in contracts made with emerging theatre directors. The concern of this study is the period from the 1870’s until 1920, when the former German theatre passed into Czech hands. In the later history of the German municipal theatre in Olomouc, there was a significant strengthening of the role of the city, especially since the director was no longer required to pay rent for the building and a considerable share of the operating costs were taken on by the community. The theatre director possessed only a limited amount of creative freedom regarding productions. Virtually everything related to the operation of the theatre could only take place with the consent of the municipal leadership. The city, through its representatives ran the theatre on the basis of strict accountability and contributed to the nature of the repertoire and its interpretation.

Ingrid Silná

Vilém Steinmans Jahre in Prostějov

Vilém Steinman (1880‒1962) gehörte zu den bedeutendsten tschechischen Chorleitern und Pädagogen, die an die Interpretationskunst von Ferdinand Vach (1860‒1939) anknüpften und die weiter verbreiteten. Zu seinem ersten Wirkungsort nach dem Studium am Lehrerinstitut in Kroměříž wurde Prostějov, wo er an der Jungenschule unterrichtete. Seit 1906 arbeitete er als Chorleiter des Männergesangsvereins Orlice (nach Ezechiel Ambros), der unter seiner Leitung sich durch seine interpretatorische Qualitäten zum Gesangsverein mährischer Lehrer von Vach näherte. Seit 1911 wurde er zum Dirigenten des Amateurorchesters – Orchesterverein ‒ und 1913 wurde er zum Chorleiter des Frauengesangs-und-Bildungsvereins Vlastimila (auch nach Ezechiel Ambros). So vereinigte V. Steinman in seinen Händen drei wichtige Musikinstitutionen aus Prostějov und so konnte er breitere Kantatenwerke aufführen (z. B. Bruckners Te Deum und Engelhymnus von J. B. Foerster im Jahre 1913). Zu seinen bedeutendsten Zusammenarbeitern aus Prostějov gehörten Vojtěch Měrka (1888‒1974) und Josef Zapletal (1880‒1954). Im Jahr 1919 ging V. Steinman nach Brno, wo er seine pädagogische und Chorleiter-Tätigkeit fortsetzte. Auch wenn seine Wirkung in Prostějov zur Anfangsphase seines künstlerischen Wegs wurde, trug er wesentlich zur Bereicherung des Musiklebens der Stadt zu.

The Prostejov Years of Vilém Steinman

Vilem Steinman (1880‒1962) was an important Czech choirmaster and teacher who emerged from the artistic tradition of Ferdinand Vach (1860‒1939) which he further developed. He secured his first professional post after studying at the Kroměříž Teachers’ Institute in Prostějov, where he taught at an elementary school for boys. From 1906, he served as choirmaster of the Orlice Male Voice Choir, (after Ezechiel Ambros), which under his leadership approached Vach’s Moravian Teachers Choir in terms of performance quality. From 1911 he became conductor of Prostejov’s amateur orchestra ‒ The Orchestral Association and in 1913, choirmaster of a women’s choir and educational unity known as Vlastimila (also after Ezechiel Ambros). V. Steinman united these three important Prostejov music institutions to perform large-scale cantatas such as Bruckner’s Te Deum and the Hymn of the Angels by J. B. Foerster (in 1913) and organized other musical events under the working title United Associations. Among his closest collaborators were Dr. Vojtech Merka (1888‒1974) and Josef Zapletal (1880‒1954). In 1919 Steinman left for Brno, where he continued as a choirmaster and teacher. Although his work in Prostějov was in the initial stages of his artistic career, he nevertheless contributed significantly to the enrichment of the musical life of the city.

Eva Vičarová

Kirchenmusik in Olomouc nach 1945

Die Stadt Olomouc hatte seit Anfang eine starke kirchliche Macht. In derer Folge wurde eine erhöhte Aufmerksamkeit auch dem rein musikalischen Bestandteil der liturgischen Zeremonien gewidmet. Nach 1945 finden wir in der allgemeinen Entwicklung der Kirchenmusik drei historische Meilensteine. Zum Ersten wurde das Jahr 1948, der den Aufbruch der Persekution der römisch-katholischen Kirche bedeutete. Der zweite Meilenstein hängt mit dem Durchsetzen der auf dem II. Vatikanischen Konzil genehmigten und in die Praxis durchsetzenden Prinzipien, was infolge dessen die Verstärkung der aktiven Teilnahme aller Gläubigen am Gottesdienst und Herunterspielen der Rolle der Kirchenchöre bedeutete. Zum dritten Meilenstein wurde das Jahr 1989, das den Kirchenchören neue künstlerischen Möglichkeiten zeigte.

Der Text beschäftigt sich mit der Geschichte der Kirchenmusik in den Hauptkirchen des historischen Zentrums von Olomouc (Wenzelsdom, St.-Moritz-Kirche, Maria-Schnee-Kirche, Maria-Himmelfahrtskirche und Maria-Verkündenskirche). Die Studie stellt die führenden Persönlichkeiten der Chöre sowie liturgische und autonome Musiktätigkeit derer Kirchenchöre dar.

Church Music in Olomouc after 1945

The city of Olomouc has always enjoyed significant ecclesiastical powers. As a result of this, there has been a renewed focus on liturgical music. After 1945, there were three historical milestones in the general development of church music. The first was the year 1948, which saw the beginning of a new persecution of the Roman Catholic Church. The second milestone relates to the putting into practise of the principles approved by the Second Vatican Council, which resulted in a strengthening of the active participation by the faithful in the liturgy in which an indispensable role was played by church choirs. The third milestone was in 1989 when church congregations were finally able to exploit openly new artistic opportunities.

The text deals with the history of sacred music in the main churches of the historic center of the town – St. Wenceslas Cathedral, St. Maurice Church, Virgin Mary of Snow, The Assumption (at the Dominican Priory) and The Annunciation of Virgin Mary (at the Capuchin Monastery). This study introduces the leading personalities of liturgical music ‒ the choirs, the music itself and the autonomous musical activities of the various church congregations.

Alena Burešová

Ingrid Silná: Ezechiel Ambros, Univerzita Palackého, Olomouc, 2011.

Markéta Koptová

Jiří Kopecký: Opery Zdeňka Fibicha z devadesátých let 19. století. Univerzita Palackého, Olomouc, 2008.

Markéta Koptová – Karel Steinmetz

Badatelský projekt „Němečtí skladatelé Arthur Könnemann a Anton Aich. Příspěvek k poznání ostravské česko-německé hudební kultury“

Petr Lyko

Výzkum hudebního dění na Univerzitě Palackého v Olomouci – k projektu Studentské grantové soutěže Filozofické fakulty Univerzity Palackého v Olomouci

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