Musicologica Olomucensia 4 (1998)

Ivan Poledňák – Jan Vičar

DAS MUSIKLEBEN IN EUROPA 1600–1900 – TSCHECHISCHE LÄNDER. VORSCHLAG EINER NEUEN ERFORSCHUNG

Die Konferenz stellt einen bedeutenden Eintritt der Olomoucer Musikwissenschaft in den Raum der internationalen wissenschaftlichen Zusammenarbeit dar. Das Thema dieses Zusammentreffens ist nicht nur in inhaltlicher (das Problem der musikalischen Migration und ihrer Folgen ist ein bedeutender und integraler Bestandteil der Musikgeschichte überhaupt, speziell dann der neueren europäischen Geschichte), sondern auch in methodologischer Hinsicht bedeutend (es handelt sich um die Suche nach Ähnlichkeiten, sowie Verschiedenheiten, Korrespondenzen und genetischen Verhältnissen, die in den modernen Kunstwissenschaften immer mehr in den Vordergrund treten). Die im Rahmen dieser Konferenz zu untersuchende Problematik stellt aber in der tschechischen Musikwissenschaft kein Novum dar, wie die Ergebnisse der Studien der italienischen Oper in den böhmischen Ländern, der tschechischen musikalischen Emigration, der Koexistenz von tschechischen, deutschen sowie jüdischen Elementen in der Musikkultur der böhmischen Länder und speziell von Prag usw., belegen. Die Konferenz in Olomouc sollte ein neuer Beitrag in diese Schatzkammer von Erkenntnissen und eine neue wissenschaftliche Anregung sowie eine neue Plattform der Präsentierung von Ergebnissen werden. (Ivan Poledňák)

Die Konferenz wird in Übereinstimmung mit dem internationalen wissenschaftlichen Projekt Musical Life in Europe, 1600–1900. Circulation, Institutions, Representation, das im Jahre 1992 von den Musikologen Dr. Christian Meyer und Prof. Christoph-Helmut Mahling initiert wurde, organisiert. Nach zwei vorbereitenden Fachsitzungen (Straßburg 1994, Mainz 1996 hat die European Science Foundation das im Jahre 1997 vorgeschlagene Programm als eines der bedeutendsten europäischen Forschungsprojekte im Bereich der Humanwissenschaften für die Jahre 1998–2001 genehmigt. An der zukünftigen Forschung sollen unter der Führung von erfahrenen Musikologen vor allem junge, am Anfang ihrer Tätigkeit stehende Musikwissenschaftler teilnehmen.

Olomouc, die Gastgeberstadt dieser ersten spezialisierten internationalen Konferenz, gehört nicht zu den großen Zentren der europäischen Musikkultur, aber auch am Beispiel der hier tätigen Musiker sowie Musikinstitutionen (Jacobus Handl Gallus, Gottfried Finger, Barockorgel von Michael Engler aus dem Jahre 1745, Glasharmonik von František Konrad Bartl, der junge Wolfgang Amadeus Mozart, Stadtoper, Beethovens Missa Solemnis, Gastieren der Wiener Hofoper in den Jahren 1851 und 1853, Antonín Dvořák, Dramaturgie von deutschen sowie tschechischen Verbänden als Olmützer Musikverein und Žerotín, Gustav Mahler usw.) ist die Musikzugehörigkeit der Böhmischen Länder zu dem übrigen Europa gut zu verfolgen.

Tschechische Musikwissenschaftler haben schon sehr viel geleistet und manchmal genügt es, die internationale Öffentlichkeit mit den Ergebnissen ihrer Forschung mittels Übersetzungen in fremde Sprachen bekanntzumachen. Gleichzeitig ist es notwendig, einige bisher „weiße Stellen“ zu untersuchen du die traditionelle Thematik auf der gegenwärtigen methodologischen Ebene neu zu bearbeiten. Auch die durch die Fachkommissionen des Projektes formulierten Themen sind ausführlicher zu behandeln. Es sind zum Beispiel die Haupttrassen der Bewegung der ausländischen Komponisten sowie Interpreten durch die Böhmischen Länder zu verfolgen, die Aufgabe von hiesigen Musikinstitutionen auszuwerten, die Tätigkeit der Abschreiberwerkstätten und Herausgeberfirmen als Grund für die „Europäisierung“ der Musikkultur von Böhmen und Mähren darzustellen, die Verbreitung und Zirkulation von Musikkritikern in Prag am Anfang des 19. Jahrhunderts auszuwerten, die Aktivitäten des Prager Konservatoriums als eines Treffpunkts von verschiedenen musiktheoretischen und ästhetischen Konzeptionen zu beschreiben, den Einfluß von F. J. Fétis auf die Musiktheorie in den Böhmischen Ländern zu verfolgen, die zeitgemäße Rezeption von Mozarts Don Giovanni sowie der Opern von Meyerbeer, Donizetti und Wagner im 19. Jahrhundert zu charakterisieren, und die historisch-soziologische Erforschung des Publikums von Konzert- und Opernaufführungen in den Hauptmusikzentren durchzuführen. Das Projekt stellt einen großen Appell an die tschechische Musikwissenschaft sowie an den erneuerten Olomouc Lehrstuhl für Musikwissenschaft, und es ist notwendig, ihm maximale Aufmerksamkeit zu schenken. (Jan Vičar)

Christian Meyer

MUSICAL LIFE IN EUROPE 1600–1900: ESF PROGRAMME

This paper outlines the basic terminology and perspective of the European Science Foundation project Musical Life in Europe 1600–1900.

It points out that:

  1. Changes in European musical life are directly dependent upon the migrations of musicians.
  2. Musical practice is above all the practice of musical institutions.
  3. The activities of these institutions are penetrated by cultural representation.

The terms circulation, institution and representation are explained in the text. Mutual relations exist between these three terms.

DAS MUSIKLEBEN IN EUROPA 1600–1900. ZIRKULATION, INSTITUTIONEN, REPRÄSENTATION – SPEZIFIKEN UND ARBEITSPROGRAMM

Der Text besteht aus fünf Teilen, die von den Leitern der Arbeitsgruppen formuliert wurden. Der erste Teil ist der italienischen Oper in Mitteleuropa in den Jahren 1614–1780 gewidmet. Hier spricht man über die Gründung von neuen Opernensembles, über die Beziehungen zwischen den Musikern und dem Publikum, über den Einfluss der politischen Ereignisse auf die Migration der Musik und über die Einwirkung der Oper auf andere Musikarten. Wir finden hier auch eine Bemerkung über außermusikalische Faktoren und über die Bedeutung der Nationalstile in der Oper.

Der zweite Teil widmet sich den Opernorchestern in Mitteleuropa im 18. Und 19. Jahrhundert, und zwar ihrer Rolle, den Musikspielern, die von verschiedenen Nationalitäten sind und verschiedene Erfahrungen haben, und den rechtlichen und finanziellen Fragen, die mit der Tätigkeit der Orchester zusammenhängen.

Der dritte Teil heißt Konzert und sein Publikum, 1700–1900 und behandelt die Normen des Verhaltens sowie die Entwicklung in diesem Bereich. Es wird betont, dass es sich in diesem Zeitraum nicht mehr um die Elite handelt und dieses Moment seine Auswirkung auch auf den Ausbau von Konzertsälen hat.

Der vierte Teil Zirkulation der Musik: von der Elite zu der Massenproduktion befasst sich mit dem Notendruck, durch den sich die Internationalität und die Kommerzialität der Musik steigert.

Der fünfte Teil – Nationale Repräsentation der Musik: Konservatorien und Musikdiskurs, erwähnt die Anfänge der Musikgeschichtsschreibung und neue Typen von Ausbildungsinstitutionen sowie die Rolle des Nationalismus in der Migration der Musik.

Jiří Fukač

ABOUT THE PROBLEMATICS OF MIGRATION: THE POSSIBILITIES FOR CZECH MUSICAL RESEARCH

The support of interuniversity cooperation is important not only within a national, but also in an international context. Within recent years, this type of cooperation between universities in Moravia has been increased.

This paper goes into detail about criticism of terminology, within the context of the conference and its goals. Its significance is often of an introductory nature and describes something by means of the use of metaphors. A typical example is the term circulation. The author further considers whether or not the project is in fact at all possible to complete within such strict tome limits.

Helmut Loos

GERMAN MUSICOLOGY BETWEEN PHILOSOPHY AND HISTORY

In spite of all the changes which have taken place during the 20th century, an odd sort of constant has remained with regard to the evaluation of German music, not only by popular German philosophers, but also by German musicologists. This is connected with musicology becoming a university subject in Germany and could be also influences by the lack of a broader look at the branch by those who belong to it. That the “great masters” of German music are particularly valued is not to be criticized at all, however the other side of this coin is, frequently, a rejection of the music of other European countries. If the competitiveness of Italian music, with some exceptions, is treated with respect, the same cannot be said of the positions of French music. The situation of northern European music is even worse, not to mention Eastern European music. The origin of this approach in the 19th century principal of the national state is all too obvious, which is why it is necessary to break away from artistic-philosophical presumptions and begin using a historical perspective which recognizes carefully defined cultural regions rather than national states.

Jiří Sehnal

MUSICAL CONTACTS OF THE CHAPEL OF THE BISHOP IN KROMĚŘÍŽ IN THE SECOND HALF OF THE 17th CENTURY

This works examines the musical style used in the chapel of bishop Karl Lichtenstein-Castelcorno (1664–1695) in Kroměříž, which was the most significant musical institution in the Czech lands in the second half of the seventeenth century. For practical and financial reasons, the chapel was staffed by employees of the Court of the Bishop and by local musicians. These styles were influenced by the contacts of the Chapel of the Bishop with Vienna, Salzburg, Silesia, Poland, Brandenburg, Slovakia and furthermore with Olomouc and Prague.

Petr Koukal

DIE ZIRKULATION VON ORGELBAUERN UND DIE PROBLEMATIK DER ORGELBAUGEBIETE

Im Verlaufe des 17. und 18. Jahrhunderts kamen in das Gebiet der historischen böhmischen Länder Orgelbauer aus dem ganzen mitteleuropäischen Raum, angefangen von Westfalen und der Pfalz bis hin zu Tirol und Ungarn. Im Zusammenhang mit ihrer Tätigkeit ist zu fragen, inwieweit und auf welche Weise sie die Entwicklung des hiesigen Orgelbaus und hiermit auch der Musik, beeinflusst haben. Diese Frage ist umso wichtiger, wenn wir zur Kenntnis nehmen, dass an der Nordgrenze der böhmischen Länder eine Trennungslinie zwischen zwei großen europäischen Orgelbaugebieten (dem norddeutschen Gebiet und dem süddeutsch-österreichischen Gebiet) verlief. Nach bisherigen Feststellungen haben sich Tradition angepasst. Die Orgelbauer, die ihre Werkstätten anderswo hatten (Engler, Scheffler, Gruber), setzen meistens die Verwendung ihres Stils durch. Ihr Einfluss war aber unerheblich. Eine beachtenswerte Ausnahme bildete vielleicht nur Peter Dotte. Viel größere Bedeutung hatten zwei einheimische Meister, Abraham Stark und Jan David Sieber, die in ihrer Jugendzeit den norddeutschen Orgelbaustil kennengelernt haben dürften. Beide gestalteten diese Anregungen auf schöpferische Weise in ihren persönlichen Stil um, der für lange Zeit den Orgelbau in den böhmischen Ländern beeinflusste.

Lenka Pachlová

KOPISTEN VON MANUSKRIPTEN SAKRALER MUSIK IN MÄHREN, 1750–1850

In den Musikaliensammlungen aus zwölf mährischen Klöstern und Kirchen wurden 1260 Namen ausgesucht sowie eine Reihe von Bemerkungen, die sich auf sie beziehen. Es handelt sich größtenteils um die Namen der Abschreiber dieser Musikalien. Diese Abschreiber waren bei den Chören tätige Sänger, die aus Stiftungen bezahlt würden, Choristen und Musiker. Die Aufzeichnungen stammen teilweise von den Eigentümern und Spendern der Musikalien sowie von Chorregenten. Auf dieser Grundlage wurden zahlreiche Kontakte zwischen verschiedenen Ortschaften und das Vorkommen von Musikalien anderer Provenienz, die jedoch nicht über den örtlichen Charakter hinaus geht, festgestellt.

Marta Hulková

THE CIRCULATION OF MUSIC AND MUSICIANS IN THE EVANGELICAL CHURCHES IN THE 17th CENTURY IN SLOVAKIA

The Reformation took place on the territory of present-day Slovakia almost parallel to its rise in Germany and played here a very positive role especially in the sphere of education. Musical education in the town schools, following the example of Melanchton´s and Sturm´s educational systems, was given great attention and this also became directly reflected in the level of music performance in the Evangelical churches. The musical repertory which was played in the Evangelical churches – belonging to German, Slovak and Hungarian religious communities – corresponds, first of all, with the German Protestant music of that time and, according to geographical specificities and possibilities, contains Italian music as well. Noteworthy is that layer in the musical repertory which was spread in Central Europe only in the form of manuscripts and which tells us more than anything else about the musical contacts and the migration of musicians on the above-mentioned territory. An important contribution to the development of musical culture in the Evangelical churches on the territory of Slovakia was made by the religious exiles from those parts of Europe where already during the first half of the 17th century the re-Catholization efforts reached their culmination. A decline in the cultivation of an exacting European music took place in the Evangelical churches in Slovakia in the last third of the 17th century, i.e. after the year 1674 when also in the Greater Hungarian State re-Catholization gained a temporary victory.

Jan Hrodek

ZU DEN ANFÄNGEN DES PRAGER KONSERVATORIUMS

Die historische Bedeutung des Prager Konservatoriums für unsere gesamte Musikkultur muss sicht namentlich betont werden. Deswegen führte auch die Tatsache, dass bisher nicht zu viel Aufmerksamkeit den Umständen seines Entstehens gewidmet wurde, zum Verfassen einer Bakkalaureatsarbeit und nachstehend eines Referates über das entsprechende Thema.

Die Anfänge des ältesten Konservatoriums in Mitteleuropa fallen in die ersten Jahrzehnte des 19. Jahrhunderts. Seine Entstehung war eine Reaktion auf eine sehr komplizierte Situation in den böhmischen Ländern. Das Kulturleben in der Zeit nach der „goldenen Ära“ der Mozart-Kunst bei uns geht nieder, und zwar sowohl in qualitativer, als auch in quantitativer Hinsicht. Die Ursachen dieses Niedergangs wurden vor allem durch einige bedeutende Umstände verursacht, zu denen vor allem die Aufhebung von Klöstern aufgrund der Verordnungen von Josef II., das erhebliche Anwachsen der Emigration von tschechischen Musikern und die Abnahme des ökonomischen Potentials der Adelungen auf Grund der gespannten politischen Situation in Europa einzuordnen sind. Dieser Niedergang erschien besonders in Prag, wo sich ein offensichtlicher Mangel an Spielern hoher Qualität zur Zusammenstellung von Prager Orchestern, speziell von Theaterorchestern, bemerkbar machte. Deswegen unterzeichneten am 25. April 1808 einige tschechische patriotische Adelige Provolání o úpadku hudby v Čechách [Proklamation über den Niedergang der Musik in Böhmen] und veranlassten so die Entstehung einer Gesellschaft, die den Namen Verein zur Beförderung der Tonkunst in Böhmen trug. Dies sollte (vor allem finanziell) den Betrieb der im Folgenden entstandenen Anstalt – des Konservatoriums – gewährleisten. Der Unterricht hier wurde am 1. Mai 1811 eröffnet und unter der Leitung des Direktors Friedrich Dionys Weber waren hier einige bedeutsame Professoren tätig. Die Gründer bemühten sich zusammen mit den Professoren von den ersten Jahren an darum, eine hohe Qualität und das Prestige des Konservatoriums aufzubauen. Zur Verbesserung der Unterrichtsqualität zögerten sie nicht, auch ausländische Lehrer einzuladen und zur Hilfe nahmen sie auch methodische Materialien, die sie besonders dem Pariser Konservatorium entnahmen. Es gelang ihnen auf diese Weise, in kurzer Zeit ein sehr gutes Niveau zu erreichen und das Konservatorium wurde bald zum Reservoir von Musikern nicht nur für unsere Musikszene, sondern im Folgenden auch für ganz Europa. Das Konservatorium verließen Absolventen, die fähig waren, sich in vielen Orten Europas nicht nur als Instrumentalisten und Sänger durchzusetzen, sondern auch in verschiedenen Musikprofessionen tätig zu werden, was unter anderem durch die breite Ausbildung, die sie am Konservatorium erhalten hatte, bedingt war. Auch zu uns kamen schon in den ersten fünf Jahren Interessenten für das Studium am Konservatorium, und zwar nicht nur aus der einheimischen Umgebung. Am Konservatorium wurde gleichzeitig innerhalb der ersten fünf Jahre ein aus Schülern sowie Professoren zusammengesetztes Orchester gebildet. Das Orchester nahm in bedeutendem Maße an der Erhaltung der Prager Musikproduktionen teil und wurde zur bedeutenden Interpretationsgrundlage, aufgrund derer zu uns unter anderem die neue ausländische Kultur durchdrang.

Das Entstehen des Konservatoriums zeigt uns gleichzeitig eine der Stützen des neuzeitlichen institutionellen Lebens.

Jana Lengová

MUSIC IN THE AESTHETIC COMPENDIA OF THE FIRST HALF OF THE 19th CENTURY IN SLOVAKIA

The intention of my article is to provide analysis of two Latin aesthetic compendia from the first half of the 19th century – the Compendium aestheticae (Košice 1826) by Michal Greguss and the Isagoge in eruditionem aestheticam (Bratislava 1842) by Tobias Gottfried Schröer. Both were written as teaching texts for students of higher courses at Protestant grammar schools or so-called lycei and both also show a significant influence of German philosophy and aesthetics. The aesthetic concept by Greguss follows up especially the aesthetic base of F. Bouterwek, W. T. Krug and I. Kant and presents mainly a philosophical postulate of the period of Classicism. The work by T. G. Schröer is more original and it reflects new problem areas – by which he came closer to the feelings-aesthetics of the Romantic period. Schröer developed especially the ideas of I. Kant, J. W. von Goethe, F. Schiller, G. W. F. Hegel. The mentioned compendia presented the summarised knowledge about Aesthetics as a scientific field with the effort to classify it systematically. Those compendia also had eucational and instructional objectives and the complement of this intention is also their most important contribution.

Martin Voříšek

NATIONALISMUS UND CHAUVINISMUS IN DER REFLEXION DES WERKS VON RICHARD WAGNER IN DER PRAGER MUSIKKRITIK VON DEM JAHR 1885

Nach der Zeit der bemerkenswerten Popularität, die Wagner in Prag in den fünfziger Jahren des vorigen Jahrhunderts zuteil wurde, kam es besonders nach dem Jahre 1870 in der tschechischen Musikjournalistik zu einem scharfen Streit um Wagners Werks. Die Bestrebungen des Referats zielen dahin, in diesen Diskussionen Elemente von Nationalismus und Chauvinismus zu erfassen. Als die markantesten Beispiele einer auf diese Weise motivierten Argumentation wurden Artikel des Pädagogen Max Konopásek und der führenden Persönlichkeit der tschechischen Anti-Wagner-Opposition, František Pivoda, ausgewählt.

Stanislav Tesař

SPIRITUAL SONGS. NOTES ON THE PROBLEMATICS OF MIGRATION AND MASS-MEDIALIZATION OF THIS REPERTORY

The paper reminds us that the area of spiritual lyrics for one voice has played a significant role in the process of the circulation of musical repertory and concerns itself with several sociological aspects of this phenomenon.

It calls attention to the fact that in the course of studying spiritual songs we come across two rather sharply divided phases of development differing in their functionality and in the character of the movement of their repertory. It familiarizes us with the processes which occurred in the background of changes of nontyped repertory of manuscript collections into typed repertory, presented in a songbook as a collection of collectively distributed and individually edited content. Finally it draws our attention to the change in social status of creators and users of the spiritual song repertory as the main cause of the transformation of spiritual song from an elite to a public matter.

Michaela Freemanová

DER DEUTSCHE ORDEN DER BARMHERZIGEN BRÜDER ALS MUSIKINSTITUTION UND ALS ZENTRUM DER ZIRKULATION VON MUSIK UND MUSIKERN IN DEN BÖHMISCHEN LÄNDERN UND IN ZENTRALEUROPA IM 18. UND 19. JAHRHUNDERT

Der Orden der Barmherzigen Brüder wurde im Jahre 1538 vom hl. Johannes von Gott gegründet. Die Musik spielte im Leben des Ordens, dessen Aufgabe die Krankenpflege war, eine bedeutende Rolle, und zwar auch bei der Erziehung der Novizen. Am Ende des 18. Jahrhunderts erstreckte sich die Provincia germanica des Ordens der Barmherzigen Brüder nahezu über ganz Mitteleuropa. Erhaltene Archivalien, Musiksammlungen des Ordens und das zur Anfertigung von Abschriften von Kompositionen benutzte Papier belegen eine beträchtliche Zirkulation von Musikern sowie von Musikalien. Auf diese Weise kamen in unser Gebiet Kompositionen von österreichischen, italienischen und deutschen Autoren; demgegenüber gelangten tschechische Kompositionen ins Ausland.

Václav Bartůšek

DIE BEDEUTUNG DER PIARISTISCHEN BIOGRAFIE FÜR DIE ERKENNTNIS DER ZIRKULATION DER MUSIKER IN DEN BÖHMISCHEN LÄNDERN IM 17. UND 18. JAHRHUNDERT

Die Arbeit bewertet die bedeutende Aufgabe des piaristischen Ordens, aus dem viele bedeutende Musiker des 17. und des 18. Jahrhunderts stammten, als Beitrag zur Entwicklung der Musikkenntnisse in den böhmischen Ländern. Piaristen wechselten oft ihre pädagogischen Wirkungsstätten und in den Quellen wurden sie eher mit ihren weltlichen Namen angeführt. Es wäre deswegen angebracht, einige ihrer Verzeichnisse (im Staatsarchiv in Prag) als eine kritische Edition herauszugeben, die gleichzeitig als Hilfsmittel für verschiedene Mitarbeiter aus dem Bereich der Kulturgeschichte dienen könnte.

Stanislav Bohadlo

DAS BIBLIOGRAPHISCHE ITINERAR ALS SCHLÜSSEL ZUR ZIRKULATION DER MUSIK. DIE ZIRKULATION DER MUSIK (SAMMLUNG) ALS SCHLÜSSEL ZUM BIBLIOGRAPHISCHEN ITINERAR? (DIE ITALIENISCHE LITERATUR IN EINER SAMMLUNG DER GRÄFIN MARCOLINI-NIMPTSCH)

Musiksammlungen (und Inventare) sind „klassische“ musikwissenschaftliche Indikatoren für die Provenienz, die Bewegung und die Aufbewahrung von Musik. Sie werden von der Musikwissenschaft als Informationsquellen über Komponisten, Interpreten, typographische Ortschaften, bei Kollationen, bei der Zirkulation von Musikalien (der Musik) für thematische Kataloge und in der Musiksoziologie verwendet. Die Schloßsammlung aus Letohrad mit 568 Einheiten (bis zum Jahre 1995 nicht identifiziert) mit einem scheinbar unlogischen Inhalt wurde irreführend den Stubenberken zugeschrieben. Die Inhaberin der Sammlung war aber die Komtesse (Gräfin) Augusta Marcolini (1782–1817 Karlsbad), die älteste Tochter des sächsischen Ministers Graf Camille Marolini (1739–1814), die am Dresdner Königshof aufgewaschen war. Der seltene Inhalt der Sammlung setzt sich neben den allgemeinen instrumentalen Titeln insbesondere aus der Gitarren- und Mandolinenliteratur und aus des identifizierbaren Opernarien aus den Jahren (1768) 1777–1806, daß heißt also auch noch aus der Zeit vor ihrer Geburt, zusammen. Sie konnte also die angegebenen Orte der italienischen Aufführungen persönlich nicht besuchen und die Dramaturgie nicht selbst bestimmen. Ursprünglich stammt die Sammlung zweifellos aus Dresden.

Nach der Hochzeit im Jahre 1803 zog die Sammlung nach Böhmen, nach Letohrad um. Über die Verwendung der Sammlung in Böhmen gibt erst das Zugänglichmachen des Familienarchivs Auskunft. Die Tatsache, daß die Musikalien physisch zirkuliert haben, sagt nichts darüber aus, ob die Kompositionen wirklich aufgeführt wurden.

Kateřina Maýrová

DOPPELCHÖRIGE KOMPOSITIONEN (CORI-SPEZZATI) IN BÖHMEN AM ÜBERGANG DES 16. ZUM 17. JAHRHUNDERT. ZUM STAND VON MANUSKRIPTEN UND GEDRUCKTEN QUELLEN UND ZUM PROBLEM DER MIGRATION VON DOPPELCHÖRIGEM GESANG

Dies stellt eine Aufgabe dar, die bisher nicht zufriedenstellend und definitiv erklärt wurde. Ihre Erfüllung wird einerseits durch die nicht komplette Erfassung von allen Musikquellen aus dieser Zeit erschwert, und zwar sowohl handschriftlicher, als auch gedruckter Art, die bei vielen Museen, Institutionen und Archiven nicht zufriedenstellendsichergestellt wurde, einschließlich der Sammlungen in dem kirchlichen Eigentum, andererseits wird die Situation durch die Bewegung der schon erfassten Quellen kompliziert, die in heutiger Zeit im Rahmen der Restitutionen den ursprünglichen Inhabern zurückgegeben werden. Ein großes Risiko von zahlreichen Verlusten der wichtigen Handschriften und Druckstücken musikalischer Art folgt auch aus möglichen Diebstählen, die oft auf professionelle Weise von den Leuten durchgeführt werden, die die menschliche Naivität, sowie das unverantwortliche Verhalten von einzelnen Verwaltern der verleihten Sammlungen ausnutzen.

Die doppelchörige Komposition stellt ein spezifisches Gebilde dar. Sie erlebte ihre größte Entwicklung von der 2. Hälfte des 16. bis zu dem ersten Drittel des 17. Jahrhunderts in Italien und prinzipiell gründet sie auf dem Ton- und Timbrekontrast von zwei selbständig betätigten Chorkörpern, die entweder rein vokal, oder instrumental besetzt sein können, oder die den Farbkontrast der Kombination der vokalen und der instrumentalen Äußerung anwenden können.

In Böhmen sind von den 80er Jahren des 16. Jahrhunderts bis zu den 40er Jahren des 17. Jahrhunderts doppelchörige Kompositionen belegbar, die in den handschriftlichen Quellen in Prag, Český Krumlov, Hradec Králové, Klatovy, Rakovník, Rokycany und Ústí nad Labem eingetragenen wurden. Ihre Autoren sind einerseits die aus Italien, aus den Niederlanden oder aus Deutschland stammenden Exponenten des neues, frühbarocken Stils, andererseits sind es Komponisten aus dem Bereich der kaiserlichen Musiker an den Höfen von Rudolf II. und Ferdinand II., und weiterhin einheimische Autoren, die in Böhmen tätig waren und die mit den humanistischen Gelehrtenkreisen in Verbindung standen, von deren Leben wir aber bisher nicht genug Informationen haben.

In diesem Sinn ist eine wichtige Persönlichkeit der Musiker Jakob Handl-Gallus, ein gebürtiger Slowene, der der doppelchörigen Komposition einen großen Teil seines Schaffens widmete und der seinen Lebensweg in Prag beendete, wo er auch bei dem tschechischen Buchdrucker Jiří Nigrin die Mehrzahl von seinen Werken herausgegeben hat.

Von den tschechischen Autoren um die Wende des 16. zum 17. Jahrhunderts beschäftigte sich mit der doppelchörigen Komposition am meisten der Komponist Pavel Spongopaeus Jistebnický (1560–1619), in dessen Schaffen insgesamt 24 nicht komplett erhaltene Messenzyklen belegt sind, bei denen die doppelchörige Besetzung vorauszusetzen ist.

Die auf dem böhmischen Gebiet erhaltenen doppelchörigen Kompositionen können zwar mit ihrem Kompositionsniveau mit den repräsentativen Kompositionen der zeitgenössischen führenden Darsteller der sogenannten Venezianischen oder Römischen Schule nicht verglichen werden (Andrea und Giovanni Gabrieli ­– Giovanni Pierluigi da Palestrina, Ruggiero Giovannelli, Giovanni Maria Nanino und Giovanni Berdardino Nanino usw.), sie belegen aber, dass die böhmischen Autoren fähig waren, sich Grundprinzipien dieser Kompositionstechnik anzueinignen und dies in dem Schaffen anzuwenden, das seinen Nachhall vor allem bei den Chören der Literatbruderschaften der böhmischen Städte fand.

Obwohl es nicht möglich ist, den Nutzcharakter dieser Technik und den halbprofessionellen Charakter ihrer Ausführung zu bestreiten, im Vergleich zu der farbigen Erfindungskraft der Kompositionen von italienischen Meistern und zu der gesamten Pomphaftigkeit von kostspieligen italienischen Kirchenfesten, die in Venedig in der St. Marcus-Kirche in Rom in der päpstlichen Basilika des hl. Peter oder irgendwo anders unter der Mitwirkung von speziell zu diesen Zwecken errichteten professionellen Sänger- und Musikerchöre stattfanden, zeugt die Menge der erhaltenen doppelchörigen Kompositionen und ihre Verbreitung eindeutig davon, dass vor der Schlacht am Weißen Berg in Böhmen Grundvoraussetzungen für die Rezeption und für Entwicklung des barocken Musikstils vorhanden waren, die dann gewaltsam mit dem Dreißigjährigen Krieg unterbrochen wurden.

Der erhaltene gedruckte Import im Bezug auf die doppelchörige Produktion zeugt davon, dass die Vermittlungsaufgabe in dieser Richtung vor allem von den süddeutschen Druckereien getragen wurde (Nürnberg, München), woher zu uns über Süd- und Westböhmen, nach Prag und dann weiter in den Norden und Osten das moderne Repertoire kam. Die erfassten Konkordanzen zeugen auch von regen Kontakten und vom Repertoireaustausch zwischen einzelnen Literatbruderschaften, wo die wichtige „Volksbildungsaufgabe“ von Repräsentanten der humanistisch gebildeten Intelligenz und von Schullehrern erfüllt wurde.

Die wichtigste böhmische Ortschaft, wo der reichste Komplex des doppelchörigen Repertoires zu erfassen ist, mit der bisher ältesten handschriftlichen Eintragung einer schon konzertant komponierten Komposition mit der Unterstützung des Generalbasses, ist die westböhmischen Stadt Rokycany. Auf dem dortigen Dechanat der römisch-katholischen Kirche blieben bis heute ingesamt 15 handschriftliche und gedruckte Komplexe erhalten, die über das Niveau des verwendeten geistigen Repertoires aus der 2. Hälfte des 16. Und dem ersten Drittel des 17. Jahrhunderts in Böhmen anschaulich Auskunft geben. Aus dieser reichen Sammlung bildet die doppelchörige Produktion nur ein Viertel aus dem gesamten Komplex der erhaltenen Werke.

Robert Hugo

ADAM MICHNA AND HIS OFFICIUM VESPERTINUM

The recently discovered collection of psalms by A. Michna Officium Vespertinum contains 22 compositions, written for one solo voice (14 for soprano, 2 for alto, 3 for tenor or soprano, 2 for bass and one for mezzo), a four-part chorus and basso continuo. Included in the collection are also the “Falsi burdoni” for double chorus. Officium primarily brings us a fuller view of the work of the author with a Latin text and acquaints us with his compositional style in the fourties of the 17th century (the work was published in 1648). He uses imitation technique only minimally, instead of that a whole row of comparison with song production is offered. Related to the Psalms is the Magnificat for 12 voices from the Musical Archive in Wroclaw (now at the Staats-Bibliothek in Berlin). Only the organ part is original – the rest of the work was considerably redone in Wroclaw. Apparently this is the oldest preserved Michna work.

Jarmila Gabrielová

MUSIC AND MUSICIANS BETWEEN PRAGUE AND COPENHAGEN IN THE 18th AND 19th CENTURIES

This contribution builds upon the article Čeští hudebníci a česká hudba v Dánsku do druhé světové války, published in Opus musicum 27 (1995), page 40–43, and summarizes some lesser known data and facts mentioned in domestic and especially in Danish scholarly literature. It points out the role played by several persons, who either originated from the Czech lands or worked here, in the musical life of Denmark (Copenhagen) and that on the one hand in the field of Italian opera and Mozart reception in the second half of the 18th and the beginning of the 19th century (P. Mingotti, Chr. W. Gluck, Fr. L. Ae. Kunzen, G. Siboni) and on the other hand in the development of Danish national music and musical institutions in the 19th and the beginning of the 20th century (Chr. Zrza, Fr. J. Gläser, Fr. Neruda, M. Brod).

Alena Jakubcová

FROM PRAGUE TO THE NORTHERN EMPIRE BORDER. WAYS OF THEATRE DIRECTORS AND THEIR REPERTOIRE IN THE SECOND HALF OF THE 18th CENTURY

The significant mobility of theatre people and theatre companies which constituted the basis of theatre productions often caused displacement and disappearance of sources, above all the performing scores. The musical shape of the Prague Italian opera is then mostly inaccessible.

In the Brunswick Theater Collection Prague opera scores were identified, proving the continuous contacts between the towns. It is possible to find and describe the routes of people and sources from Prague (or via Prague) to the North. Comparison between repertories, personalia and events of theatre life indicate many connected facts, which call for continued research.

Robert Schmitt Scheubel

…LA VIE D´UN BOHEMIEN : LE BEAU DUSSEK

From the music historical point of view, it is simply true, even today, that Johann Ludwig Dussek (Jan Václav Dusík) – or however his name was written in any one of several languages – was a Czech, German, French, English, less or only moderately significant composer. But it´s not that simple. Objections as to the lack of seriousness of Dusík´s work as opposed to the presumed importance of the compositional efforts of other composers can be shown to be without basis when we compare individual compositions by him with the works of other composers. This study presents (among other information) several reasons why we can regard any such dismissal of him as being influenced by ideology-induced blindness, knowing full well, that this sort of thing was more easily identifiable in the past than in the present time. This study endeavours to expand the body of available knowledge about this composer, without attempting to draw any decisive conclusions.

Robert Rawson

VON OLOMOUC NACH LONDON. ZUR INSTRUMENTATION IM WERK VON GOTTFRIED FINGER

Gottfried Finger wurde in Olomouc geboren, wahrscheinlich schon im Jahre 1656. Seine Musikkarriere führte ihn nach Italien, Großbritannien, Deutschland, Österreich und wohl auch in einige andere Länder. Er ist im Jahre 1730 in Mannheim gestorben. Gedruckte Ausgaben sowie Handschriften seiner Musik befinden sich in Bibliotheken und Archiven in Durham in Nordengland, in Osek, in Uppsala und an anderen Orten. Man kann sagen, dass, was seine Zeitgenossen betrifft, nur Corellis Werk an so vielen voneinander so entfernten Orten aufbewahrt ist. Er war der erste Komponist, der in England Solosonaten publiziert hat. Kein anderer in dieser Zeit in England tätiger Autor versuchte so farbige und manchmal auch ungewöhnliche Kombinationen von Blasinstrumenten zu komponieren.

Einige von diesen Instrumenten erschienen zum ersten Mal gerade in seinen Kompositionen. Es bleibt fraglich, ob diese Bräuche eher europäisch im weiteren Sinne des Wortes waren und die italienische, französische, englische und deutsche Praxis reflektiert haben, oder ob sie spezifisch österreichisch-tschechische Bräuche widerspiegelt haben.

Die Studie beschäftigt sich mit Fingers Karriere als Komponist und Musiker. Sie behandelt auch den Charakter seiner Instrumentation und deutet an, woher die Instrumentationsbräuche stammen können. Von den in Opus 1 (1688) vereinigten Sonaten an bis zum Congreves Urteil des Paris (1701) ist es offensichtlich, dass Finger in England sehr aktiv war. Seine Anwendung von Generalbass, Trompeten, Oboen, Fagotten und Violen folgt den in England zu Fingers Zeit herrschenden zeitgenössischen englischen, sowie französischen Vorbildern nicht. Besonders Fingers Anwendung der Viole da gamba für das Spiel des basso continuo in der Königlichen Kapelle von Karl II. ist beachtenswert. Die widerspricht einigen Behauptungen, dass die Viola da gamba zusammen mit Geigen in der damaligen Königlichen Kapelle nicht benutzt wurde. Die Analyse von einigen umfangreicheren von Finger und seinen Zeitgenossen komponierten Ensemblestücken zeigt einige neue Weisen der Instrumentation von inneren Stimmen. Musikalische Muster tragen zur Dokumentation von Fingers einzigartigem und durchweg falsch verstandenem Wert bei.

Janice Stockigt

ZU ZELENKAS SAMMLUNG VON VESPERPSALMEN

Zwischen den Jahren 1726 und 1735 führte der Hofkomponist J. D. Zelenka in Dresden in seinem Inventarium einige Bearbeitungen von Vesperplasmen und mehr als 80 Bearbeitungen von anderen Komponisten auf, wobei mindestens 25% davon von tschechischen Autoren komponiert wurden. Die übrigen Bearbeitungen sind meistens von italienischen Ursprung und ihre Spuren sind in den Repertoire des Veits-Doms und von Kreuzherren zu verfolgen.

Die Psalmensammlung, die Zelenka wahrscheinlich von Prag nach Dresden brachte, ist in alphabetischer Ordnung zusammengestellt, und zwar nach den Familiennamen der Autoren. Übereinstimmungen zwischen dem Repertoire aus Prag und dem aus Dresden sind nachweisbar.

Das Referat zeigt, dass die meisten zugefügten Psalmen mittels eines Kopisten aus Dresden entstanden (er wurde von W. Horn als „ZS 0“ identifiziert), der vor allem Werke von anderen Komponisten abgeschrieben hat (im Zeitraum zwischen dem Anfang der 20er Jahre bis zum Anfang der 30er Jahre des 18. Jahrhunderts) und der im Fall von Abschreibungen der Kompositionen von Zelenka eine kleinere Rolle spielte.

Božena Felgrová

BEARBEITUNGEN DER MOZART-OPERN FÜR BLASINSTRUMENTE IN DEN BÖHMISCHEN LÄNDERN IM 18. UND 19. JAHRHUNDERT

Fast alle Werke Mozarts, insbesondere aber seine Opern, wurden für verschiedene Musikgruppierungen bearbeitet. In unserem Gebiet hängt diese Erscheinung vor allem mit der starken Mozart-Tradition zusammen. Die Abwesenheit von festen Regeln ermöglichte die Verarbeitung von Bearbeitungen sowohl hoher als auch niedriger Qualität. Im Bereich der Bearbeitungen für Blasharmonien wurden Mozarts Opern zu einem willkommenen Material. Einer der fruchtbarstem bei uns tätigen Autoren ist Jan Vent. Die Forschung selbst erfolgte durch die Komparation von Bearbeitungen, die in Notenform in den Schlössern Český Krumlov, Frýdlant, Kačina und Roudnice nad Labem fixiert wurden. Über die reichste Sammlung verfügt Český Krumlov. Einzelne Arbeiten weichen voneinander in der Instrumentation, im Umfang und in der Qualität ab. Die gesamte Form der Bearbeitungen wurde vor allem durch das Talent und durch die Instrumentationsmöglichkeiten des Autoren beeinflusst. Die Logik der Handlung wurde in den Hintergrund gedrängt. Die am häufigsten bearbeitete Oper Mozarts ist Don Giovanni.

Geoffrey Chew

DIE AUFFASSUNG DES SLAWISCHEN VOLKSLIEDS BEI FRIEDRICH CHRYSANDER: MOLLMODUS, NATUR UND TONALE THEORIE IM 19. JAHRHUNDERT

Die Studie bringt ein anschauliches Beispiel von Möglichkeiten, die nichtslawiche Wissenschaftler in der Mitte des 19. Jahrhunderts für das Verständnis der slawischen Musik und weiterhin für ihre Reaktion auf die zeitgenössische nationalistische Propaganda hinsichtlich der slawischen Kultur zur Verfügung hatten. Es herrschte eine allgemeine Übereinstimmung darin, dass alle Nationen auf der Erde die gleiche Linie der historischen Entwicklung verfolgen sollten. Den Slawen wurde ein weniger fortgeschrittener Stand der Entwicklung als den Deutschen zugewiesen. Es herrschte auch ein allgemeines Einverständnis darin, dass eine höhere Kompliziertheit der Entwicklung zu einer höheren Spezialisierung in der Kunst führte, wobei manche der Meinung waren, dass eine solche Entwicklung nicht erwünscht war. Das alles waren seit Herder tradierte Selbstverständlichkeiten. Der Text der Studie legt aber eine weniger bekannte Auffassung dar: Die „Natur“, wie sie im Sinne von Hanslick beschrieben wurde und wie sie im Sinne des Wortes Naturwissenschaft begriffen wurde, stellte das wichtigste damals aktuelle Kriterium für die wissenschaftliche Forschung in allen Bereichen dar. Einen Wissenschaftler mit Sinn für Geschichte, wie es Chrysander war, hat dies zum Studium des Volksliedes stark motiviert. Und nicht nur im Falle von Chrysander führte dies zu der möglicherweise für das 20. Jahrhundert kennzeichnenden Überzeugung, dass tonale Systeme in der Musik eher mit einer Kultur oder mit einem Zeitraum verbunden sind, statt eine ewige Wirklichkeit zu sein.

Eva Slavíčková

MILITÄRKAPELLEN IN MÄHREN, INSBESONDERE IN OLOMOUC, IN DER ZWEITEN HÄLFTE DES 19. JAHRHUNDERTS

Obwohl die Militärkapelle für eine der ältesten Musikinstitutionen der neuzeitlichen Kultur gehalten wird, wurde ihr in der Musikliteratur nicht genug Aufmerksamkeit geschenkt. Ihre Bedeutung wird unrichtig nur auf die Interpretation von Blasmusik reduziert. Der riesengroße qualitative sowie quantitative Kader der Musiker, über den die österreichisch-ungarische Armee in ihrem goldenen Zeitalter des 19. Jahrhunderts verfügte, bleibt nicht genug geschätzt, genauso wie die Rolle, die die Militärkapelle bei der Produktion, Distribution und Interpretation des Repertoires der Zeit spielte. Die Dessertationsarbeit der Autorin beschäftigt sich mit der Problematik der Militärkapellen in der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts in Mähren, insbesondere in Olomouc. Die primäre Untersuchung der Tätigkeit der Militärkapellen in Olomouc, in der bedeutendsten Garnisonstadt in Mähren, dient als ein charakteristisches Modell, auf das sich die Ergebnisse einer weiteren Untersuchung über die Zirkulation der Kapellen auf dem Gebiet Mährens beziehen werden. Es sollte auch das Maß der Kultur- sowie Organisationsabhängigkeit von Wien definiert werden. Im Zentrum der Aufmerksamkeit steht nicht primär die reine Militärfunktion, sondern deren Bedeutung für das Kulturleben.

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