Musicologica Olomucensia 8 (2006)

Vladimír Tichý

CHAOS UND MUSIK

Die Theorie des Chaos ist eine mathematische Disziplin mit Ausrichtung auf das Studium von nicht linearen dynamischen Systemen, d.h. von komplizierten Erscheinungen, deren Entwicklung im Laufe der Zeit nur schwierig vorhergesagt werden kann. Ein solches System können beispielweise das Wetter, die Entwicklung von Kapitalmärkten, die Turbulenzen, das Wachstum und die Entwicklung von lebenden Organismen, das Ökosystem und sein Entwicklungsprozess, die Frequenz und der Verlauf von Erdbeben, die Sprachen und ihre Entwicklung, der Prozess der Entstehung und der Ausbreitung von Epidemien darstellen… Wie aus den wenigen angeführten Beispielen hervorgeht, erfolgte die Wahrnehmung des Phänomens Chaos und die Entstehung der Theorie des Chaos unter Zusammenwirken, bzw. auf Anregung mehrerer wissenschaftlicher Disziplinen, die verschiedene Erscheinungsweisen der Realität vom Natur- sowie gesellschaftlichen Charakter erforschen: Meteorologie, Ökonomie, Physik, Linguistik, Demographie, Chemie, Biologie, Ökologie, Geologie, Anatomie, Prognostik, Astronomie usw. Die Entstehung der eigentlichen Theorie als einer neuen Betrachtungsweise der Realität wird insbesondere mit dem Namen des vielseitig orientierten amerikanischen Mathematikers Benoit Mandelbrot verbunden und an der Wende der siebziger und achtziger Jahre des 20. Jahrhunderts zeitlich angesiedelt. Weitere Bahnbrecher der Theorie waren u.a. der Meteorologe Edward Lorenz, die Mathematiker Stephen Smale und Mitchell Feigenbaum, der Biologe Robert May, der Physiologe Bernard Huberman, der Mathematiker und Physiker Robert Shaw, der Chemiker und Physiker Ilya Prigogine, der Geophysiker Christopher Scholz. Die Theorie des Chaos bewertet das Chaos nicht als Geschehen ohne Ordnung, sondern i Gegenteil als eine bestimmte bisher nicht erkannte Form einer Ordnung. Es zeigt sich, dass die wirkliche Naturordnung gerade in dieser Weise verstanden werden kann.

Die Theorie des Chaos schuf einen Komplex von Begriffen, mit deren Hilfe sie ihren Gegenstand erfasst, z.B. Bifurkation, Entropie, Phasenraum, Zufälligkeit, Unlinearität, Unsicherheit, stochastische Prozesse, Instabilität, Fraktal, sonderbarer Atraktor. Wir sind davon überzeugt, dass die Musikstruktur und die Musiksprache alle Merkmale eines nicht linearen dynamischen Systems aufweisen. Wir haben genug gute Gründe für die Auffassung, dass es unter den oben bezeichneten wissenschaftlichen Disziplinen auch für die Musiktheorie Platz gibt. Die Untersuchung der Fraktalstruktur der Musik macht z.B. ein tiefgreifenderes Verständnis ihrer harmonisch-tektonischen Ordnung möglich. Die Anwendung der Theorie des Chaos bei der Musikanalyse kann die Aufdeckung solcher Beschaffenheiten der Musikstruktur ermöglichen, die uns beim Einsatz von herkömmlichen Methoden der Musiktheorie bislang verborgen blieben.

Martina Stratilková

DIE STELLE DER MUSIK IN ALFRED SCHÜTZS LEBENSWELT

Alfred Schütz hat bahnbrechend eine Lösung den soziologischen Fragen mit phänomenologischen Prinzipien und Terminen verbunden. Er hat auch eine phänomenologische Musiktheorie und Theorie der Musiksozialität aufgeschlüsselt. In unserer Studie beschäftigen wir uns mit Schützs Auffassung der Musik im Hintergrund der phänomenologisch bestimmten Sozialwelt, der Konzeption der Lebenswelt, die aus Spätwerken von Husserl ausgeht. Das Ziel ist zu schauen, dass die nach innen orientierte Analyse von Schütz, vor allem die Analyse der musikalischen Zeitlichkeit, seinen Auffassungen der Mechanismen von Erfahrung der Welt, die uns umsteht, entspricht. Strittige Moment, die bei dieser Konfrontation erstehen, ermöglichen auch weitere Frage nach einer Beschaffenheit der Musikströmungstruktur, zu derer Aufklärung Schütz inspirative Mittel anbietet.

Jiří Luska

ENTWICKLUNGSLINIEN DES GEHÖRS FÜR HARMONIE

In der ontogenetischen Entwicklung des Gehörs für Harmonie können drei relativ autonome Entwicklungslinien unterschieden werden. Diese wurden zum Sachgebiet empirischer Untersuchungen in der oben genannten Studie. Das Ziel war, die Entwicklungscharakteristiken der untersuchten Fähigkeitsposten zu bestätigen und auch genau festzulegen. Die Daten wurden mittels Leistungstests gewonnen. Es sind folgende Hypothesen bestätigt worden: 1. Die Entwicklung der natürlichen harmonischen Konventionallinie (HS1) wird im Alter von 12 bis 13 Jahren abgeschlossen. 2. Kognitiv gesättigte Gehörbestandteile für Harmonie (HS2 und HS3) entwickeln sich verhältnismäßig lange im Verlauf der ontogenetischen Entwicklung, die, in Grunde genommen, innerhalb der Phase zwischen der Einschulung und der Beendigung der Sekundarstufe 2 verlaufen, und deren Entwicklung in der Pubertät und Adoleszenz ihren Höhepunkt erreicht. 3. Die Entwicklung der dritten Linie (HS6) unterscheidet sich von den beiden oben genannten Linien durch eine regelmäßige Allmählichkeit, und zwar während der ganzen untersuchten Altersphase.

Karel Steinmetz

WAS ZDENĚK BLAŽEK MISTAKEN? A FEW NOTES ON THE THEORETICAL CONCEPT OF DOUBLE ALTERATION

—-CHYBÍ STRANY 66-68

Petr Lyko

THEORETISCHE ASPEKTE DES MUSIKKRITISCHEN SYSTEMS VON JAROSLAV VOLEK

Jaroslav Volek (1923­–1989) stellt einen bedeutenden tschechischen Musikwissenschaftler, Ästhetiker, Musikkritiker und Musiktheoretiker dar. Mit seiner Rezensionstätigkeit fing er schon in den Nachkriegsjahren an, als er in der Tagespresse und in den Musikzeitschriften, wie z.B. Rhythmus und Tempo, publizierte. Nach dem Jahre 1948 begann er in die periodisch erscheinende Musikzeitschrift Hudební rozhledy beizutragen. Hier erreichte seine Tätigkeit in den 60er Jahren einen Höhepunkt. Anfangs der 70er Jahre wurde er als politisch unverlässlich bezeichnet und seine Karriere als Musikkritiker wurde um Grund beendet.

Die theoretischen Ansichten von Jaroslav Volek auf die Musikkritik entspringen in nicht geringer Maase der ästhetischen und philosophischen Konzeption des dialektischen Materialismus und der Teorie des künstlerischen Abbildes der Wirklichkeit, aber in der durch Volek transformierten Auffassung (d.h. das Werk als Mittelpunkt des Schemas, das von einer Seite das Objekt, von der anderen das Subjekt wiederspiegelt). Einen grossen Akzent legte Volek auf die Frage der Noetik und Gnoseologie, die er als logischen Ausgangspunkt für die Formung seiner Ideen benutzte. Spezifisch ist für ihn z.B. die Auffassung der Musikfunktion in den breiteren gesellschaftlichen Zusammenhängen oder Anschauung der Kritik als einer einzigartigen Erscheinung mit ihren eigenen Gesetzmässigkeiten. Nicht weniger wichtig ist auch die Auffassung der Kritik als dynamischen Faktor im Prozess der Werkrezeption und Wertschätzung. Im Einklang mit seiner praktischen Tätigkeit formulierte Volek seine Ansichten vor allem in Beziehung auf das musikalische Werk, während er sich den Fragen der Interpretation weniger widmete. Gleichzeitig aber wählte er einen eher allgemeineren Blickwinkel, deswegen sein Zugang nicht einseitig bleibt. Seine theoretischen Ansichten entsprechen den praktischen Applikationen, dieser Einklang ist z.B. aus dem soziologische, ästhetische, philosophische Aspekte einschliessendem Zugang, oder Applikation materialistischer Dialektik ersichtlich. Volek stellt einen Typ des Kritikers dar, der sowohl das wissenschaftliche Herantreten zur bewertenden Erscheinung, als auch praktische Aspekte der konkreten Musiktätigkeit berücksichtig.

Ladislav Němec

JOSEF FERDINAND NORBERT SEGER (1716–1782) HUIT TOCCATAS ET FUGUES POUR ORGUE

L´étude s´occupe du cycle des compositions pour orgue de Josef Seger dont les éditions particulières ont passé le développement intéressant depuis le moment de l´origine de cet œuvre. Le cycle Huit toccatas et fugues a été édité pour la première fois à Leipzig en 1793. Puis il a paru au 19e et surtout dans la deuxième moitié du 20e siècle en plusieurs éditions musicales dans lesquelles les écrits musicaux diffèrent l´un de l´autre. Dans la rédaction de ce cycle on a avancé en accord avec les idées de cette période ce que n´était pas toujours juste. Ce fait ne concernait pas que les éditions des œuvres de J. Seger mais en général l´approche complète à la musique ancienne du 17e et 18e siècle. La cause principale peut être suivie d´une part dans l´évolution même de la pratique éditive avec certaines fautes associées mais d´autre part aussi dans le fait que la vue de la musique ancienne et sa « bonne » prise a passé également certains changements évolutifs. Il ne s´agit pas que d´avis esthétique des musicologues du 19e et 20e siècle mais aussi du musicologique. On ne peut lier les débuts de la recherche de la musique du 17e et 18e siècle chez nous qu´avec la première moitié du 20e siècle (p.e. Vladimír Helfert et Emilián Trolda).

La recherche principale des œuvres des compositeurs tchèques du 17e et 18e siècle n´a commencé chez nous qu´après l´année 1945 ainsi que l´imprimé des autres éditions. Dans les éditions tchèques des compositions pour orgue on peut trouver les copies inconvenables de ces œuvres en portées de trois lignes et éventuellement encore avec les touches dans le texte musical même (p.e. édition Musica antiqua bohemica). Ceci concerne aussi le cycle Huit toccatas et fugues pour orgue de J. Seger. Comme le défaut de ces éditions se manifeste la recherche stagnée des orgues historiques faite par les musicologues tchèques qui p.e. en Allemagne s´est effectué beaucoup plus tôt que chez nous.

 Autres changements essentiels dans l´interprétation de cette musique et ses éditions n´ont entré en jeu qu´à partir des années 90 du 20e siècle. On a commencé à développer chez nous l´intérêt pour les orgues historiques (p.e. Jiří Sehnal, Petr Koukal), les recherches suivantes dans le domaine de la musique tchèque pour orgue (p.e. J. Smolka, J. Sehnal) et aussi le renouement des recherches étrangères dans le domaine de l´interprétation et l´édition de la musique ancienne (p.e. l´édition Artthon). Cette problématique est plus développée dans cette étude. On y trouve aussi certaines conclusions comme l´impulsion à penser et à la recherche suivante.

Ingrid Silná

JOHANN LEOPOLD KUNERT

Jan Leopold Kunert est né le 27 décembre 1784 à Německá Huzová. Ses deux frères étaient aussi musiciens. Son frère ainé Josef (1778–1860) était clairon municipal de tour à Olomouc et son frère cadet Florian (1789–1860) enseignait la musique et chantait dans le chœur d´église de St. Moritz à Kroměříž. Le fils de Josef Kunert, Mořic (1803–1861), était également musicien. A Olomouc il occupait le poste de clairon de tour et d´organiste à St. Moritz et au dôme St. Venceslas. Jan Leopold Kunert a appris le métier de clairon de tour probablement chez le clairon Franz Josef Schiebel (1754–1811) à Litovel. En 1804, il est parti à Vienne et a étudié ici chez František Vincence Kramář. Après son retour en Moravie en 1808, il a pris le poste de maître clairon de tour et trois ans plus tard, en 1811, était pris pour le même poste à Kroměříž. Avec cette ville Kunert a lié 53 ans suivants de sa vie professionnelle. Il a travaillé ici non seulement comme clairon (avec l´obligation d´aide musicale à l´église Vierge Marie et à St. Moritz), mais aussi comme chef d´orchestre de la ville, pédagogue et compositeur jusqu´à sa mort le 8 aout 1865.

L´importance de J. L. Kunert réside en son travail pédagogique et son activité pratique – comme le chef d´orchestre de la ville et l´interprète. Kunert a très bien joué du trombone et de la trompette, mais le plus grand succès lui apporté son jeu du violon. Ses élèves les plus renommés étaient Ondřej Němec et Franz Tutsch – chefs des musiques militaires et compositeurs. L´effort d´amélioration concernant la chromatisation de la trompette lié aux essais de créer le mécanisme des clefs qui a essayé de réaliser dans les années 1805–1813 sont remarquables mais appartiennent aux événements moins importants de son héritage musical complet. L´œuvre de Kunert est assez vaste, il compte à peu près 1000 compositions. Il contient la musique d´orchestre, de chambre et d´église. Il consiste en symphonies, compositions pour les cuivres (p.e. 601 duos pour les trompettes) et de la musique d´église – messes, Te Deum, graduels, offertoires et Pange lingua.

Malgré que Jan Leopold Kunert soit classé au rang des personnalités régionales, il a mérité sans doute non seulement de la continuité du développement musical de Kroměříž dans la première moitié du 19e siècle mais par son activité pédagogique et son œuvre il a considérablement dépassé quantitativement ce domaine.

Jiří Kopecký

ZDENĚK FIBICHS SCHAFFEN UND LEBEN DURCH LITERATUR VERÄNDERT

Die Studie beschäftigt sich mit den Reflexionen des Lebens und Werkes von Zdeněk Fibich (1850–1900). Bewusste Interpretationen Z. Fibichs als Nachfolger Bedřich Smetanas wurde in den Intentionen der „rechten“ Entwicklungslinie der tschechischen Musik geführt, Fibich wurde absichtlich gegen Antonín Dvořák gestellt. Manche Fragen sind aus verschiedensten Gründen ohne Antwort geblieben (vor allem Beziehung Z. Fibich – Anežka Schulzová). Alle diese Standpunkte zeigte sich als unproduktiv und Literatur über Z. Fibich erfordert unbedingt sehr kritische Lesung. Es gilt vorwiegend über Autoren Otakar Hostinský, A. Schulzová und Zdeněk Nejedlý. Ihre Irrtümer als auch zu zeitgemässe Meinungen haben teilweise Jaroslav Jiránek und Vladimír Huden überwünden. Die Schöpfung von Z. Fibich wartet stets auf objektiver und gesamter Verarbeitung.

Lenka Křupková

JANÁČEK´S OPERA THE MAKROPULOS CASE IN THE MIRROR OF THE PERIOD CRITIC

The opera The Makropulos Case by Leoš Janáček (1854–1928) is one of several Janáček´s masterpieces that fall within the genre of the “Literaturoper”. The paper explores the reception history of the opera´s first performances in Brno (1926) and Prague (1928). It focuses on the critical reflections of both the play by Karel Čapek and its operatic transformation by Janáček. It seeks to reconstruct the key concepts underlying the understanding of the opera by the Czech audience in the 1920´s. According to the analysis of the texts of criticism, there was a surprisingly wide agreement among the critics in that respect.

Lucie Berná

DIE UNTREUE MARIJKA – DER “UNABHÄNGIGE“ FILM, BEITRAG B. MARTINŮ ZU DER TSCHECHISCHEN FILMMUSIK

Das Thema des Beitrags befasst sich mit dem Verhältnis Martinůs zum Film und zur Filmmusik. Die aufbewahrte Korrespondenz und die Artikel des Komponisten beweisen sein großes Interesse für das mit dem Film verbundene Geschehen, die konkreten Aufträge waren aber für Martinů eher eine Quelle finanziellen Einkommens. Der Beitrag bringt einen Überblick über das Filmschaffen Martinůs, vor allem über den abendfüllenden Film Marijka nevěrnice [Die untreue Marijka]. Die Filmmusik zu Marijka nevěrnice stellt das umfangreichste Werk innerhalb von Martinůs Filmmusik dar. Im Kontext der damaligen Produktion gehört dieser Film des Regisseurs V. Vančura, dessen Absicht eine authentische Darstellung des ukrainischen Landlebens war, zum nicht-offiziellen Schaffen avantgardischer Prägung. Die erhaltenen autographen Skizzen und Analysen der ausgewählten Filmszenen beweisen Martinůs besonders sorgfältige Ausarbeitung der Partitur. Typische kompositorischen Kennzeichen sind Einflüsse aus der Folklore, ausgearbeitete Instrumentation, die für Martinů typische Besetzung mit Klavier und die motivische Arbeit. Der Beitrag beschäftigt sich aber auch mit einigen grundlegenden Fragen wie der Lückenhaftigkeit von Martinůs Autorschaft in einigen authentischen musikalischen Szenen des Filmes und dem Umstand, dass eine autographe Partitur bis heute nicht nachweisbar ist.

Vladimír Hudec

THE CALENDAR OF OPERA AND OPERETTA

The work by Vladimír Hudec The Calendar of Opera and Operetta is closely directed to the issues of the music theatre of Olomouc in the 20th century, i.e. it deals with the Czech professional music theatre in the years 1920–2005. Until 1920 the professional theatre of Olomouc was, in fact, German. Only then it passed over to the Czech citizens. Nevertheless, the Germans made use of the theatre building during several subsequent seasons until 1924. The theatre was, hereafter, more or less Czech with the exception of the time period of the 2nd World War. Several different personalities have changed in the position of the managers of individual ensembles. The theatre went through different political regimes that affected its face. In the Calendar, there are depicted, in chronological order, the most important moments and liaisons of all the seasons of the defined period. This piece of work is an outstanding groundwork for orientation and a significant starting point for further, more detailed works.

Alice Kučerová

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